METHODE
Interview
Mit dieser Methode kannst du Erlebnisse, Bedürfnisse und Hindernisse deiner Zielgruppe besser verstehen.
Ziel und Kurzüberblick
Menschen und Bedürfnisse verstehen
Wenn du verstehen willst, was Menschen in einer konkreten Situation erreichen möchten, was sie bisher tun und warum Schwierigkeiten entstehen
30–45 Minuten je Gespräch plus Auswertung
1 Gesprächspartner und 1–2 Interviewpersonen
Problemraum · primär
Dokumentierte Erfahrungen mit Hinweisen auf Ziele, Bedürfnisse und Hindernisse
Planungswerte für einen ersten fokussierten Durchgang. Datenerhebung, Tests, Abstimmung und Umsetzung können zusätzliche Zeit benötigen.
Was ist die Methode?
Ein exploratives Interview erschließt konkrete Erfahrungen, Ziele und Hindernisse aus Sicht betroffener Menschen. Offene Fragen zu vergangenen Situationen helfen, eigene Annahmen zu hinterfragen. Im Unterschied zur Beobachtung erfährst du auch die subjektive Bedeutung eines Erlebnisses.
Konkretes Erlebnis
Offen fragen und nachhaken
Bedürfnisse und Hindernisse
Wann einsetzen?
Nutze diese Methode, wenn du verstehen willst, was Menschen in einer konkreten Situation erreichen möchten, was sie bisher tun und warum Schwierigkeiten entstehen.
Die Erkenntnisse können spätere Lösungs- und Umsetzungsentscheidungen vorbereiten. Neue Erkenntnisse können eine erneute Untersuchung im Problemraum erforderlich machen.
Nicht ausreichend, wenn … du das tatsächliche Verhalten direkt messen oder beobachten musst.
Leitfrage
Wie hat [Person] zuletzt [Situation] erlebt, was wollte sie erreichen und was hat sie dabei behindert?
Vorbereitung und benötigte Informationen
Kläre die Fragestellung, die Beteiligten und die verfügbaren Informationen vor dem Start. Nutze für die Dokumentation das verlinkte Arbeitsblatt.
Ablauf in Schritten
Das benötigst du: Geeignete Gesprächspartner, kurzer Leitfaden, ruhige Gesprächssituation und vereinbarte Dokumentation; Zeit für anschließende Auswertung.
Bearbeite die vier Aufgaben der Reihe nach. Das Ergebnis jedes Schritts hilft dir beim nächsten.
-
01Gesprächspartner wählen
Deine Aufgabe
Forschungsfrage und geeignete Gesprächspartner bestimmen.
Ergebnis dieses Schritts
Eine Forschungsfrage und begründete Auswahl von Gesprächspartnern.
Wozu? Damit Gespräche zur Forschungsfrage passen und unterschiedliche Erfahrungen vertreten sind.
-
02Fragen vorbereiten
Deine Aufgabe
Offene Fragen zu konkreten Erfahrungen vorbereiten.
Ergebnis dieses Schritts
Ein Leitfaden mit offenen Fragen und Nachfragen.
Wozu? Damit konkrete Ereignisse statt allgemeiner Wunschlisten besprochen werden.
-
03Gespräch führen
Deine Aufgabe
Zuhören nachfragen und mit Einverständnis dokumentieren.
Ergebnis dieses Schritts
Notizen zu konkreten Erlebnissen und eigenen Worten der Person.
Wozu? Damit die Sicht der Person hörbar bleibt und korrekt dokumentiert wird.
-
04Erkenntnisse auswerten
Deine Aufgabe
Beobachtungen und Interpretationen getrennt auswerten.
Ergebnis dieses Schritts
Belegte Hinweise auf Bedürfnisse sowie offene Anschlussfragen.
Wozu? Damit Aussagen und eigene Deutungen getrennt bleiben.
Ergebnis und Auswertung
Dokumentierte Erfahrungen mit Hinweisen auf Ziele, Bedürfnisse und Hindernisse. Sie ermöglichen ein präziseres Problemverständnis und zeigen, was weitere Gespräche oder Beobachtungen klären sollten.
Beispiel zur Einordnung
Vereinfachtes fiktives Beispiel zur Einordnung.
Ein Team untersucht morgendlichen Stress von Pendlern.
Es fragt: „Erzähle von deinem letzten schwierigen Arbeitsweg“ und hakt bei einzelnen Situationen nach.
Eine Person beschreibt vor allem die Sorge vor Unpünktlichkeit; Parkplatznähe allein erklärt ihren Bedarf nicht.
Grenzen und typische Fehler
Hilfreich ✓
- Nach dem letzten konkreten Ereignis fragen.
- Mit „Was passierte dann?“ nachhaken.
- Zitate und Interpretation getrennt notieren.
Vermeiden ✕
- Die eigene Lösung im Gespräch verkaufen.
- Suggestivfragen mit erwarteter Antwort stellen.
- Ein einzelnes Gespräch als repräsentativ behandeln.
Vertiefung
Mit Nachfragen Motive verstehen
Bitte zuerst um eine konkrete vergangene Situation: „Erzähle mir von der letzten Anfrage.“ Frage anschließend offen: „Was war daran wichtig?“, „Was hat dir das ermöglicht?“ oder „Was wäre ohne diese Rückmeldung passiert?“ Notiere die Antwort, statt den Befragten ein Motiv vorzugeben.
Ergebnis: Ein belegter Zusammenhang zwischen Situation, gewünschtem Ergebnis und persönlicher Bedeutung. Wiederhole Warum-Fragen nicht mechanisch; wenn eine Person nicht weiter antworten möchte, wechsle die Frage.
Vor Ort erkunden
Verbinde einen Feldbesuch mit kurzen Gesprächen und Beobachtungen. Kläre Beobachtungsziel, Zugang und Einverständnis. Notiere Ort, Situation, Aussage und Quellen-ID; trenne Beschreibung und Interpretation. Plane nach dem Besuch Zeit zur Auswertung.
Die übergeordnete Kundenforschung hilft bei der Auswahl. Danach Erkenntnisse verdichten und Kundenaufgaben verstehen.
Passendes Werkzeug
Die Arbeitsfläche und das ausfüllbare Arbeitsschema findest du auf einer eigenen Werkzeugseite. Wähle die Methode nach deiner Fragestellung; nutze das Werkzeug zum Erfassen und Dokumentieren.
Arbeitsblatt · Interview öffnen →Nächster methodischer Schritt
Wähle den nächsten Schritt danach, welche Frage nach der Anwendung noch offen ist.